Primarschule St.Leonhard – St.Gallen

Sanierung Schulhaus und Neubau Turnhalle – Offener Projektwettbewerb, April 2011 – Projekt elementar – Landschaftsgestaltung: Giulia de Angelis – Tragwerksplanung: Dr.Willi Wüthrich

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– Hochbauamt Stadt St.Gallen       – Programm        Bericht des Preisgerichtes
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– “Welche Schule wollen wir?”

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Städtebaulicher Kontext  Die folgende Abbildung zeigt, dass die Vadianstrasse, um 1887, im damals wesentlich grösseren Vorplatz des Primarschulhauses St.Leonhard endete; von da führte ein Weg (rot) zu den ehemaligen Bleichen.

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Die damalige, grosszügige Situation wird im Projekt elementar© wieder hergestellt; da die Vadianstrasse heute, im Bereich zwischen Pestalozzi- und Kessler-Strasse, für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt ist.
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Der Neubau  ist zwischen dem vorhandenen Schulhaus und der Davidstrasse auf Seite der Kesslerstrasse platziert. Die Seite zur Pestalozzistrasse wird, zusammen mit den geschützten Bäumen, als Freiraum neu gestaltet.

Der neue, hindernisfreie Hauptzugang zur Primarschulanlage auf Seite der Davidstrasse erschliesst sowohl das neu projektierte Gebäude als auch das bestehende Schulhaus.

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Schnitt  3-3   Eingänge, Foyers, Treppenhäuser

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Der gesetzliche Grenzabstand wird gegenüber jeder der drei Strassen eingehalten und die Strassenräume werden nicht beeinträchtigt, eine Ausnahmeregelung muss nicht in Anspruch genommen werden.

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Südfassade – Ansicht von der Davidstrasse

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.Ostfassade – Ansicht von der Kesslerstrasse

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Perspektive – Ecke David-, Kessler-Strasse

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Architektur und Freiraumgestaltung

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Die Architektur des neuen Gebäudes ist durch seine, es umgebenden ‘hochwertigen Gebäude’ des “Stickereiquartiers” bestimmt, erstens, und zweitens durch seine Funktion als dienendes Gebäude, nicht nur des vorhandenen Schulhauses, sondern auch der näheren Quartiersumgebung.

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Das Resultat ist ein ässerst einfaches (aber nicht gewöhnliches) und kompaktes Gebäude, welches im Innern spannende Raumfolgen bietet, welche auch von aussen ables- und miterleb-bar sind. Das Trottoir entlang der Kessler- und der Davidstrasse wird, z.B., zur ‘zweiten’ (öffentlichen) Galerie (zusätzlich zur innenliegenden Galerie) der Turnhalle.

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Die Freiraumgestaltung geht mit dem ‘genus loci’ sorgfältig um. Die Gestaltung des neuen Vorplatzes der Primarschule und des “Pärkli” erinnert, mit seinen orthogonalen Zeichen, an die ehemaligen Bleichen und deren Einteilung. Der Velo- und Fussgänger-Verkehr findet sich exakt auf der Achse des historischen Weges wieder (siehe Illustration oben). Der Niveau-Übergang zwischen Vorplatz und “Pärkli” wird mit Sitzstufen hergestellt. Diese und die Sitzbänke sind aus vorfabrizierten Betonblöcken und haben eine integrierte Beleuchtung.

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Untergeschoss  670.60/670.00

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Erdgeschoss  674.00

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Schnitt  1-1   Querschnitt Turnhalle, Mehrzweckraum.

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Turnhalle   rechts die Kesslerstrasse, links die Galerie – Arbeitsmodell

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Blick von der Galerie

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Im 1. Obergeschoss kann gesehen werden, wann der Mittagstisch bereit ist. Und im 2. Obergeschoss weiss man bald, besonders auch nachts, ob z.B. eine Ausstellung (bei beiseite geschobenen Wänden) oder eine Veranstaltung im Mehrzweckraum stattfindet.

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Diese Transparenz ergibt sich aus der Zusammensetzung von Konstruktion und Aussenhaut. Das Dach ist Lichtträger und überspannt die gesamte Fläche des 2. Obergeschosses stützenfrei. Die Decken sind im Innern nur im Bereich (der von den Decken abgesetzten) der Sanitärräume abgestützt und lassen so die übrigen Flächen frei von Stützen. Die Gebäude-Ecken sind stützenfrei. Die Aussenwände sind als ‘zweite Haut’, als Doppel-Fassade ausgebildet. Die neue Struktur ist verblüffend einfach, beeindruckend durch seine Leichtigkeit und Eleganz, dank der genialen Ingenieurleistung.

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Funktionalität  Die Zentralisierung der Sanitärräume im Neubau schafft viel Platz im bestehenden Schulhaus. Alle Erschliessungen sind hindernisfrei. Das Richtprogramm für die ‘aktuellen und künftigen Bedürfnisse’ ist sowohl im Primarschulhaus als auch im Neubau erfüllt. Im Neubau erlauben die stützenfreien Räume und die einfache Erschliessung, horizontal und vertikal, aller vier Geschosse die grösstmögliche Nutzungsflexibilität.

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Aufenthaltsqualität  Die Klassenräume im Primarschulhaus sind in den Eckzimmern, den schönsten Zimmern, untergebracht. Jedes Zimmer hat einen ihm zugeordneten Gruppenraum und jede Klasseneinheit verfügt über einen Materialraum. Diese Grosszügigkeit wurde erreicht, 1) indem die bestehenden Sanitärräume in den Neubau verschoben wurden und 2) indem separat gelüftete Garderobenräume geschaffen wurden, welche die Korridore frei von Kleidern/Schuhen (und schlechten Gerüchen) machen.

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1. Obergeschoss   678.00

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2. Obergeschoss   682.00

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Schnitt  2-2    Längsschnitt Turnhalle, Mehrzweckraum

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Mehrzweckraum/Aula   links Stauraum und office, Foyer Seite Davidstrasse, unten FSA-Bereich

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Mehrzweckraum von der Bühne aus gesehen, rechts der nach unten offene Raum des FSA-Bereichs

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Wirtschaftlichkeit, Kosten/Nutzen  Das klare Gesamtkonzept von: 1) sorgfältigem Umgang mit der bestehenden Substanz, 2) kompaktem neuen Baukörper, 3) übersichtlicher und hindernisfreier Erschliessung, 4) grösstmöglicher Nutzungsflexibilität und 5) Raumreserven im Dachgeschoss, usw. sind die Voraussetzungen für die Ausgewogenheit von Kosten und Nutzen.

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Energie/Ökologie  Das neue Gebäude mit seiner ‘zweiten Haut’ erfüllt, in seiner einfachsten Ausführung den Minergie-Standard. Mit entsprechender Nachrüstung, wie Sonnenkollektoren der neuesten Generation (250qm auf den sheds), Erdsonden, usw., kann die Struktur künftig und schrittweise zum 0-Energie Gebäude hochgerüstet werden. Die Materialwahl für den Neubau berücksichtigt die modernen ökologischen Standards: 1) Stahlkonstruktion, Präzision und kurze Bauzeit, 2) Doppelfassade, Holzständer-Konstruktion und Glas, 3) Böden, mineralisch eingefärbte Kalk- Zement-Estriche oder aber Linoleum. Das bestehende Primarschulhaus wird nach denkmalschützerischen Kriterien ‘aufgefrischt’.

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Fassade  typischer Schnitt durch die Aussenhaut und Fassaden-Ausschnitt im Bereich der Kesslerstrasse

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Tragwerk, statisches Konzept

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1. Tragsystem für die Abtragung der vertikalen Lasten  Untergeschoss: Fundation, Wände und Decke über UG aus Stahlbeton. Erd- und Ober-Geschosse: Stützen und Deckenträger aus Stahlprofilen, Brandschutzklasse F60 mit Anstrichen. Dachkonstruktion: Shed-System mit vertikalen Fachwerkträgern aus Stahlhohlkastenprofilen.

2. Gesamtstabilität, horizontale Einwirkungen (Wind und Erdbeben)  Windverbände im Dach: Horizontale und schräge Querverbindungen zwischen den vertikalen Trägern. Abtragung der Kräfte in beiden Richtungen durch horizontale Fachwerke in allen vier Randfeldern. Je ein vertikaler Windverband (je zwei Stützen verbunden mit kreuzweise angeordneten diagonalen Profilen) in allen vier Aussenwänden.

3. Tragsystem der Decken  Haupträger (h=800mm) im Abstand von 5.0m, Spannweite 20.0m. Querträger (h=300mm) im Abstand von 4.0m, in den Randbereichen mit Auskragungen von 4.0m. Trägerwechsel in Berücksichtigung der grösseren Aussparungen. Profilblech als verlorene Schalung. Betondecke derStärke 20cm im Verbund mit den Längs- und Quer-Trägern (Verdübelung). Zur Erschliessung der Gebäudetechnik unter den Decken sind Öffnungen in den stegen der Hauptträger möglich.

4. Tragsystem Dach  Vertikale Fachwerkträger (h=3.0m) im Abstand von 5.0m, Spannweite 33.0m.

5. Fundation  Die bestehende Fundation wird teilweise rückgebaut. Streifenfundamente unter Aussenwänden, Einzelfundamente unter den inneren Stützen.

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Raumprogramm

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Untergeschoss

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Erdgeschoss

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1. Obergeschoss

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2. Obergeschoss

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Bestand

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Ansicht von N-O

von S-W

von S-O

“Pärkli”

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Bestand Innen

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Eingangshalle

Korridor

Treppenhaus

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