Kaserne Basel – Basel BS

Projektwettbewerb – Umbau und Sanierung des Hauptbaus für ein zeitgenössisches Kultur- und Kreativzentrum – Projekt  “Marsch!” – in Zusammenarbeit mit Dr. Willy Wüthrich

.

– Jurybericht PDF            – Ausstellung PDF

– Wettbewerbsprogramm PDF          – Fragenbeantwortung PDF

.

.

.

.

Satellite

.

.

.

.

.

.

Ansicht_DSC0119_2

Platz_DSC0055_2

West-Ansicht, von der linken Rheinseite, oben – Ost-Ansicht, vom Kasernenplatz, unten.

.

.

.

.

01-04 KB, A1, mv

.

Lageplan mit “flow”-Diagramm

.

.

.

Umgebung – Die Gestaltung der Rheinpromenade soll nach den Empfehlungen des Preisgerichtes zum Projekt “rhein schauen” umgesetzt werden.

Das vorliegende Projekt steuert den folgenden Beitrag zur zukünftigen Gestaltung der Rheinpromenadebei: Neue (barrierefreie) Verbindungen zwischen Platz und Promenade, Öffnung der neuen Halle und der “geräumigen Parterreräume” zur Rheinpromenade; Integration der öffentlichen Sanitärräume in den Hauptbau (und damit Entlastung der Promenade von störender “Möblierung”); alle Bäume werden erhalten.

.

.

.

.

02-04 KB, A1, mv

.

.Ansicht vom Rheinufer – West-Fassade

.

.

.

02-04 KB, A1, mv

Rheinpromenade – Parterre

.

.

.

Erschliessung – Der Kasernenplatz ist über die neue “Öffnung” zwischen dem Hauptbau und der Kirche sowohl mit dem Klingentalweglein als auch mit der Rheinpromenade verbunden.

.

.

Untitled-2

.

Ansicht vom Klingentalweglein – Süd-Fassade

.

.

Untitled-3

.

Querschnitt – Promenade, links – Hauptgebäude – Platz, rechts.

.

Der Eingangsbereich und die Halle des Hauptbaus auf der Platzebene, zusammen mit der neuen Halle auf der Rheinebene, verbunden mit den neu eingebauten Treppen (und der neuen Liftanlage), bilden das zweite “stadträumliche Bindeglied” zwischen Kasernenhof und Rheinpromenade.

Um den barrierefreien Zugang zum Hauptbau (inkl. neuer Fluchtwege) und eine funktionierende Oberflächenentwässerung, weg vom Gebäude, zu gewährleisten, soll das Niveau des Kasernenplatz’, entlang der Ost-Fassade, auf das Niveau des Korridorsim Erdgeschoss angehoben werden.

Die vorhandene Pflästerung wird beibehalten, instand gestellt und auf die Bereiche des neuen Durchgangs und auf den Platz vor dem südlichen Seitenflügel erweitert.

.

.

.

.

03-04 KB, A1, mv

.

Ansicht vom Platz – Ost-Fassade

.

.

03-04 KB, A1, mv

.

Erdgeschoss – Platzebene

.

.

Nord-Fassade 1-200

.

Ansicht vom Klingentalgraben – Nord-Fassade

.

.

.

.

Die Kaserne, heute 150 Jahre alt, soll der Stadt als historisches Erbe erhalten bleiben

.

.

Aquarell 150.

Eidg. Archiv für Denkmalpflege EAD, Bern

“rendering” des Architekten, oben – Aufnahme aus dem Eidg.  Archiv für Denkmalpflege, unten

.

.

.

Architektur als Substanz und das Kriterium grösstmöglicher (optimaler) Reversibilität führen einen Dialog zwischen der vorhandenen (historischen) Architektur und der subtilen, neuen Stahlkonstruktion.

.

.

.

.

01-04 KB, A1, mv

.

“Dialog” zwischen Konstruktion (engineering) und der historischen Architektur – die Eingangshalle im Erdgeschoss, links.

.

01-04 KB, A1, mv

.

Optimale Reversibilität – Die neu integrierte Stahlkonstruktion stützt die historische Substanz bei minimalen Eingriffen – die seitlichen Fachwerke und die Mittelstützen aus Holz werden entfernt, die originalen Deckenbalken wiederverwendet.

.

.

.

Die wichtigsten Voraussetzungen, damit die Kaserne zukünftig neuen, vielfältigen Nutzungen zugeführt werden kann, sind, erstens: Eine effiziente Erschliessung unter Berücksichtigung der Bau- und Feuerpolizeilichen Standards (u.a. Brandabschnitte, Fluchtwege); zweitens: Moderne, funktionale Räume (auch hinsichtlich Klima-Komfort, e.g. Haustechnik) und drittens: Die unumgängliche Ertüchtigung des Gebäudes hinsichtlich Erdbebensicherheit.

Aufgrund der o.g. Voraussetzungen und zusammen mit einem vernünftigen Reversibilitätsprinzip, welches verlangt, dass keine historische Substanz zerstört wird, führen zu einer neuen Tragstruktur auf eigenen Fundamenten, welche nicht nur die zukünftigen Lasten trägt, sondern sich selbst und die historische Substanz im Erdbebenfall vor Schaden (Personenschutz) schützt.

.

.

.

04-04 KB, A1, mv

.

Längsschnitt – vorhandene und neue Treppen – Lift – Brandabschnitte

.

.

.

.

Erläuterungen zur Erdbebenertüchtigung der Tragkonstruktion PDF

.

.

1. Angestrebter Erfüllungsgrad – Das Konzept der empfohlenen Massnahmen ermöglicht eine Erdbebenertüchtigung der Tragkonstruktion, welche die Anforderungen gemäss SIA-Merkblatt 2018 erfüllt; d.h. es wird ein Erfüllungsfaktor von 80% erzielt, bei einer Restnutzungsdauer von mehr als 80 Jahren.

.

.

Untitled-10

.

Querschnitt

.

.

2. Konzept der Erdbebenertüchtigung – Die durch die Erdbebeneinwirkung, gemäss SIA 262, erzeugten horizontalen Trägheitskräfte (Ersatzkraftverfahren) werden durch die neu erstellten Stahlfachwerke, getrennt vom bestehenden Mauerwerk, in die neu erstellten Einzelfundamente abgeleitet. Die Stahlfachwerke sind so bemessen, dass ein Erfüllungsfaktor von mindestens 80% erreicht wird. Es sind dazu folgende Verstärkungen durch Fachwerke erforderlich (siehe Skizzen):

– in Querrichtung: In den Achsen Y02, Y05, Y10 und Y13.

– in Längsrichtung: In der Achse X02

Diese Fachwerke sind vom Dachgeschoss bis zum Parterre einzubauen.

.

.

.

Erdgeschoss Statik 1-200

.

Erdgeschoss – Regelgeschoss

.

.

.

Zur Übertragung der Deckenkräfte in die Fachwerke werden in jeder Geschossdecke horizontale Aussteifungen durch diagonal angeordnete Stahlprofile in der Höhenlage der Sekundärprofile eingesetzt.

Die Fundamente unter den Fachwerken sind neu zu erstellen. Wo nötig, werden die resultierenden Zug- und Druckkräfte durch Mikropfähle aufgenommen.

Die Fachwerke werden mit dem bestehenden Mauerwerk punktuell durch Verankerungen verbunden. Damit ist die Stabilität der bestehenden Wände bei Erdbeben gewährleistet.

.

3. Nachweise zur Bemessung der Verstärkungsmassnahmen – Überschlägige Nachweise zur Bemessung der erforderlichen Verstärkungsmassnahmen wurden auf Grund folgender Annahmen durchgeführt (siehe auch Statische Nachweise):

– Erbebenzone Z3a

– Bauwerksklasse II

– Baugrundklasse C

– Duktilitätsfaktor für die Stahlfachwerke q = 4.0

.

.

.

Untitled-2

Bodenaufbau – “alt und neu”, links – Ausschnitt des originalen Fussbodens, rechts

.

.

.

.

.

Nutzungskonzept

.

.

.

Untitled-5

1. Obergeschoss

.

.

2. Obergeschoss

2. Obergeschoss

.

.

Untitled-7

3. Obergeschoss

.

.

Untitled-8

Dachgeschoss

.

.

.

.

.

Dachstuhl_DSC0086_2 150

.

“last but not least” – das Dachgeschoss ist ein sehr wertvoller Raum, er wird das übrige Raumangebot aufwerten und sollte deshalb ausgebaut werden.

Alternative: Die  Decke über dem 3. Obergeschoss wird rausgenommen – ein enorm grosszügiger Raum entsteht, bestens erschlossen,  ca, 5.00m hoch bis zur Fusspfette, und ca. 8.00m hoch bis zur Firstpfette des Dachstuhls! 

.

.

.

.

.

Nutzflächenformular %22Marsch!%22

.

.

.

.

.

.

 

11 thoughts on “Kaserne Basel – Basel BS

  1. Johann Jakob Stehlin d.J.http://ur1.ca/g7vy8

    Lieber Kollege,

    obwohl die Würmer mein kaltes Fleisch längst zernagt haben, bin ich nach wie vor im Gespräch. Meine noch vorhandenen architektonischen Werke werden in der Regel gut unterhalten und sind gut besucht und, glauben Sie mir: Tote sehen mehr als Lebende.
    Um nicht der Plauderei zu verfallen: Der Grund, warum ich mich, via cyber-space, an Sie wende, betrifft eines meiner Frühwerke, die Kaserne. Ihr Vorschlag, wie mein Werk für weitere 100 Jahre vielfältig genutzt werden kann, hat mich beeindruckt, ich hätte es nicht besser machen können, Kompliment, lieber Kollege.
    Lassen Sie sich vom Verdikt der Jury nicht allzusehr beeindrucken: Der “Wunsch nach der grossen, ausgeprägten Geste” ist eine Zeiterscheinung, welche schon zu meiner Zeit, jedenfalls in republikanischen Kreisen, leicht angestaubt wirkte.
    Natürlich schmeichelt es mir, wenn zeitgenössische Kollegen Motive, wie die “Rundungen” meines Konzertsaals
    (http://ur1.ca/g8mdq) übernehmen; aber passen tun diese in meine Kaserne nicht.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin frohes Schaffen;
    mit kollegialem Gruss, Ihr Johann Jakob Stehlin d.J.

    P.S.: Übrigens, die Fassaden, diese Farbe, schrecklich, diese Farbe hat meine verdiente Ruhe schon mehrfach, und mehr als erträglich wäre, gestört – tun Sie was, ich bitte Sie!

  2. 18.12.2013, 16:47 Uhr

    Stadtentwicklung/Projektwettbewerb

    So soll das Basler Kasernenareal aussehen

    Mit einem luftigen Entwurf hat das junge Basler Architekturbüro Focketyn del Rio studio den Projektwettbewerb für sich entschieden. Gastrobetriebe und Kreativwirtschaft sollen künftig Leben in die Bude bringen – und eine Verbindung zum Rhein und zum Quartier schaffen. Von Marc Krebs

    «Ein Haus für alle. Und das Neue.» Auweia. Am Slogan kann es nicht gelegen haben, dass das Projekt Nummer 34 beim Wettbewerb für die Neugestaltung des Kasernen-Kopfbaus als Sieger hervorging. Liest sich dieses doch so: «Für alle. Und die anderen auch.» Eine solch schwammige Überschrift würde in unserer Branche in den Abfluss gespült, weil «Weder Fisch noch Vogel». Aber hier ging es ja nicht um einen catchy Titel, sondern um ein architektonisches Projekt, auf das die Stadtbevölkerung seit einem halben Jahrhundert wartet. Auf eine räumliche und inhaltliche Antwort, wie mit dem unglücklich bespielten Dauerprovisorium, diesem mächtigen Hauptbau der ehemaligen Basler Militärkaserne umgegangen werden soll.

    39 Büros haben sich von den Vorgaben des Stadtkantons inspirieren lassen und Pläne sowie Konzepte entworfen. «Darunter auffällig viele junge Büros», wie Kantonsbaumeister Fritz Schumacher bei der Präsentation betonte.

    Junges Basler Team setzte sich durch

    Nur wenige arrivierte Architekten hätten teilgenommen, man könne fast von einem Nachwuchswettbewerb sprechen, sagte Schumacher. Und das habe sich gar nicht als Nachteil erwiesen. Viele interessante Ideen seien gesichtet worden, am durchdachtesten aber erwies sich die Eingabe des jungen Basler Duos Hans Focketyn und Miquel del Rio Sanin. «Jacques Herzog hat sich ganz begeistert gezeigt, sprach von einem «super Entscheid», so Schumacher träf, «was bei ihm ja nicht selbstverständlich ist.» Wie wahr!

    Jacques Herzogs Begeisterung mischt sich hier wohl auch mit Stolz: Denn wie uns der 33-jährige del Rio Sanin erklärt, habe er die Herzog & DeMeuron-Schule durchlaufen. Seit diesem Jahr erst sind er und Focketyn ein eigenes Zweier-Team. Und nun also gleich ein solch grosser Erfolg. Der gebürtige Spanier war in entsprechend aufgeräumter Stimmung.

    Durchbrüche und Crèmeschnitten

    Was sprach für das Siegerprojekt? Etwa die teilweise Aushöhlung des Hauptbaus zugunsten eines grossen, sich über drei Stockwerke erstreckenden Entrées, wodurch das tiefergelegene Rheinufer und der Kasernenplatz für Passanten miteinander verbunden wird. «Mit dieser vertikalen Lösung wird das Gebäude nicht zur Crèmeschnitte», lobte Schumacher. Allein damit hob sich Focketyn del Rio studio von der Konkurrenz ab. Diese spielte zwar mitunter mit radikaleren Ideen, etwa einem Durchbruch zum Rhein. Doch wäre damit kein Mehrwert geschaffen worden, so Schumacher. Und auf den Mehrwert legte man grössten Wert, ebenso auf die Formgestaltung mit Seitenblicken auf Statik und Kosten (Fachjury-Vorsitz: der Berner Architekt Ueli Laedrach).

    Kreativwirtschafter einbezogen

    Ideen für den Mehrwert holten sich die Architekten bei bekannten VertreterInnen der lokalen Kreativbranche: Laura Pregger und Moritz Walther (bekannt vom Depot Basel) sowie Jan Schlomo Knopp und Angie Ruefer (Leuchtturm Kreative Wirtschaft) haben sie mit Inputs und Bedürfnissen der Kulturbranche gefüttert, welche in Nutzungsideen einflossen: Proberäume wären ebenso denkbar wie Kunstateliers, Büros und Anlaufstellen. «Interdisziplinär» lautet das etwas sperrige und zugleich überstrapazierte Fremdwort für das, was sich in den Räumen abspielen soll. Eine Begegnungszone auch, Ort des Austauschs. Aber nicht nur für Kreative.

    Die vom Kanton gestellte Aufgabe war «enorm anspruchsvoll», sagte Regierungspräsident Guy Morin. «Gerade weil so unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt werden sollen.» Entsprechend vielfältig seien die 39 Projekte herausgekommen, die die Jury an drei November-Tagen begutachtet, fachlich und sachbezogen diskutiert und beurteilt habe – dies übrigens ohne zu wissen, wer hinter den Eingaben stecke, um Voreingenommenheit auszuschliessen. Was sich Kanton wünschte und die Jury prüfte, waren folgende Vorgaben:

    – eine Begegnungszone für die gesamte Bevölkerung

    – einen Ort für die Kleinbasler Quartierbevölkerung

    – eine Aufhebung des massiven Blocks zwischen Rhein und Kasernenplatz

    – neue Räume für Kulturschaffende und Kreative; Ateliers, Proberäume, Büros, Anlaufstellen

    – Zusammenspiel mit bestehenden Institutionen (Kaserne, Junges Theater, Parterre)

    – Zusammenspiel mit Open-Air-Veranstaltungen wie Basel Tattoo, Herbstmesse oder Festivals

    – Sorgfalt im Umgang mit dem kulturellen Erbe, das in den Köpfen festgesetzte Stadtbild also erhalten

    – und all das in Form einer Einheit.

    Ein Entrée über drei Stockwerke

    Am Ende überzeugte also dieses Projekt mit seiner vertikal angelegten Passage, die zugleich als riesiger Wintergarten verstanden werden kann (ohne Durchzug!). Zusammen mit den gastronomischen Angeboten sollen die Leute ins Gebäude hineingezogen werden. Daneben, ans alte Kloster Klingental angrenzend, wird der Zwischentrakt seitlich durchbrochen. Im Siegerprojekt wird dieses Mauerstück nicht gänzlich entsorgt, sondern wie eine umgekehrte Krone als Tor dienen.

    Auf dem Turm soll eine Bar zum Sonnenuntergangs-Apéro mit Rheinblick einladen. «Wichtige Elemente», sagte Moritz Walther, der an der Seitenlinie stand, «denn eine so grosse Gesamtfläche will zuerst mal mit Menschen gefüllt werden!» An die 9000 Quadratmeter werden umgebaut und neu genutzt.

    Mit dieser Lösung, frohlockte Guy Morin, komme man jetzt endlich einen grossen Schritt weiter in der Gestaltung des Areals. Er erinnerte daran, wie viele Jahrzehnte lang sich Basel schon den Kopf darüber zerbrochen hat, was mit der ausgedienten Kaserne alles geschehen soll, wie sie sich zum Quartier öffnen und allen möglichen Ansprüchen gerecht werden könne.

    Arealverwaltung wird konzentriert

    Mit der Projektierungsphase geht eine Aufräumaktion in Sachen Verwaltung einher. Die Kasernen-Fäden laufen beim Präsidialdepartement zusammen, das neu alle Mietverträge unter sich hat und dafür besorgt sein möchte, dass die Konfusionen der letzten Jahrzehnte aufgehoben werden, als manchmal nicht einmal die Behörden selber wussten, welches Departement für das Wasser im Kasernen-Brunnen zuständig war. Die Regierung will jetzt eine Arealverwaltung, wie sie schon lange gefordert wird, installieren. Und, besonders wichtig, sich auch von alten Zöpfen trennen.

    «Für den Hauptbau ist bei der Bespielung keine klassische Intendanz vorgesehen», betonte Morin. «Wir wollen auch keine festen Einnistungen!», ergänzte er, wohl in Anspielung auf die Atelierräume im Klingental, wo manche Künstler zum Teil jahrzehntelang zu günstigen Zinsen arbeiten konnten. Eine starre Bespielung ist auch für Kulturchef Philippe Bischof ein No-Go. «Wir wollen ein pulsierendes Haus mit Rotationen bei den Mietparteien.» Das Präsidialdepartement behält auch aus diesem Grund die Fäden in der Hand, die Regierung will aktiv verwalten und Interessenkonflikten (sowie Vetternwirtschaft) vorbeugen, sich aber bei Vergaben von Fachgremien beraten lassen.

    Für die Realisierung rechnet Morin mit Gesamtkosten von 30 Millionen Franken. Er hofft, dass der Grosse Rat im nächsten Jahr grünes Licht gibt, so dass der Bau 2016 beginnen und 2018 abgeschlossen werden kann.

    Die Ergebnisse des Wettbewerbs können an der Maiengasse 11 (St. Johann) betrachtet werden.
    Vernissage ist am 18. Dezember um 17.30 Uhr.

    Der Jurybericht ist auf der Website des Hochbauamts einsehbar.

    Einen aktuellen Plan der Mieterorganisationen auf dem Areal (ohne Freiluftgäste wie Tattoo, Herbstmesse oder Viva con Agua) finden Sie auf der Web-Seite von Pro Kasernenareal.

    Ausführlichere Dokumentation der Geschichte des Kasernenareals in Buchform oder im Web.

    • Es amüsiert mich, dass die Kaserne noch immer im Zentrum des Interesses steht. Mein Frühwerk aber als “Crèmeschnitte” zu diffamieren ist doch allerhand – Herr Schumacher zeigt damit nur, dass er von Architektur wenig versteht (nicht zu reden von den Regeln der Denkmalpflege).

  3. Was das Kaserne-Siegerprojekt ausmacht

    Von Gawin Steiner

    Guy Morin ist begeistert vom Siegerprojekt zur neuen Kaserne. Dass sich die Jury für die Vision der jungen Basler Architekten entschieden hat, hat seine Gründe.

    Den Worten von Kantonsbaumeister Fritz Schumacher nach, war die Entscheidung für das Siegerprojekt ein klarer Fall: «Wir wären fast ein wenig verlegen gewesen, wenn dieses Projekt nicht zur Wahl gestanden hätte», sagt er. Äusserlich bloss mit einem dezenten Durchbruch des Seitentrakts verändert, verspreche das Innere des Hauptbaus viel. Schumacher verkündigte an der Präsentation denn auch noch gleich das Lob des Stararchitekten Jaques Hezog: «Er begegnete mir zuvor auf der Strasse und lobte die Jury für den Entscheid für dieses Projekt», sagt Schumacher, der ebenfalls Mitglied der Jury war.

    Bei den 39 eingereichten Projekten blieben die ganz grossen Namen aus. «Es waren viele junge Architekturbüros unter den Bewerbern», sagt Regierungspräsident Guy Morin erfreut. Beim erkorenen Siegerprojekt sei spürbar gewesen, dass es nicht nur um den Bau, sondern wirklich um das Gesamtprojekt Kasernenareal gehe. Während bei vielen Projekten die Umbaupläne nicht einen wirklichen Mehrwert für die Nutzung mitbrachten, habe hier alles gestimmt.

    Die Raffinesse beim Treppenhaus

    Mit einem dezenten Durchbruch des Seitentrakts wird der Zugang vom Rhein zum Kasernenareal vereinfacht. Auch soll das geplante mehrstöckige Eingangsfoyer des Hauptbaus die Bevölkerung in die Vertikale des Gebäudes einladen. In diesem Foyer sollen dereinst Gastronomiebetriebe zum verweilen bereitstehen. Zusätzlich sieht das Projekt auch eine Terrasse und einen Veranstaltungsraum mit Blick über Basel vor.

    Das Projekt würde den grössten Mehrwert bieten und sei auch Mehrheitsfähig, sagt Guy Morin. Die Möglichkeit für Veranstaltungen auf dem Areal, wie das Basel Tattoo oder das Open Air Basel, seien durch dieses Projekt weiterhin möglich. Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur im Präsidialdepartement, weist zudem auf die raffinierte Lösung der Treppenhäuser im Innern des Hauptbaus hin. Diese sollen verlegt werden und so auch die Gänge zur Nutzfläche machen, was sonst aus Gründen der Fluchtwege nicht möglich gewesen wäre.

    Frühstens 2018

    Das Projekt «Ein Haus für alle. Und das Neue» ist aber noch nicht fix, kleinere Anpassungen seien den Architekten noch ans Herz gelegt worden. Auch deutet die Jury in ihrem Bericht an, dass abgerundete Ecken «etwas gar inflationär» verwendet wurden.

    Nicht nur Feinheiten müssen noch angepasst werden, sondern auch der politische Weg muss noch beschritten werden. Bereits im 2014 erhofft man sich einen positiven Entscheid vom Grossen Rat erwirken zu können, damit nach dem Auszug der Fachhochschule aus dem Hauptbau 2015 möglichst nahtlos mit dem Bau begonnen werden kann.

    Wie sich das Projekt dann bewährt, ob mehr Leben in den hintern Teil des Areals kommt und ob der Durchgang vom Rheinbord zur Kasernenwiese kürzer erscheint, zeigt sich dann frühstens im Jahr 2018.

    (baz.ch/Newsnet)

    Erstellt: 18.12.2013, 15:48 Uhr

  4. Presseschau

    UMBAU DER BASLER KASERNE DURCH JUNGE LOKALARCHITEKTEN

    Text: Palle Petersen / 19.12.2013 10:49

    «Er begegnete mir zuvor auf der Strasse und lobte die Jury für den Entscheid für dieses Projekt», erzählte Fritz Schumacher der «Basler Zeitung» über Jaques Herzog nach dem Wettbewerbsentscheid. Er selbst wäre verlegen gewesen, hätte es dieses Projekt nicht gegeben – denn viele Projekte hätten keinen Mehrwert für die Nutzung gebracht, hier habe alles gestimmt.
    Grosse Namen fehlten beim Wettbewerb, junge Architekten reichten insgesamt 39 Projekte ein. Regierungspräsident Guy Morin freut sich über das lokale Siegerteam Focketyn del Rio Sanin. Der Entwurf «Ein Haus für alle. Und das Neue» vereinfacht den Zugang vom Rhein zum Kasernenareal mit einem Durchbruch. Dank der Verlegung der inneren Treppenhäuser gelten die Gänge nicht länger als Fluchtwege und werden zur Nutzfläche. Als zentralen Eingriff wertet die «Basler Zeitung» aber den dreigeschossigen Durchbruch im Inneren. Dieses grosszügige Foyer steht der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und wird von vielen Fassadenöffnungen betreten.
    Bis das siegreiche Projekt gegen 2018 steht, hat es noch einen längeren Weg vor sich: Die Jury kritisiert viele Details, etwa die «etwas gar inflationäre» Verwendung runder Ecken und auch die Denkmalpflege wird sicherlich auch die ein oder andere Veränderung fordern. Bis 2014 soll der Grosse Rat die nötigen 30 Millionen freigeben, damit nach dem Auszug der Fachhochschule 2015 die Bauarbeit beginnen kann.

  5. Kasernenareal

    Aufbruch in Etappen

    22.5.2014, 20:26 Uhr

    Beim Umbau des Kasernenareals wird den Behörden zufolge der bestehende Bauplan umgesetzt. Das Haupthaus soll künftig nur noch mit Angeboten genutzt werden, die der privilegierten Lage gerecht werden.
    Von Dominique Spirgi

    Eines lässt sich mit Bestimmheit sagen: Der Ausblick vom Südturm des Kasernenhauptbaus aus, der dereinst als «Skybar» genutzt werden soll, wie sich der Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, Thomas Kessler, ausdrückt, ist grandios. Bis das Dach, das man im Moment nur betreten darf, wenn man eine Haftungsausschluss-Erklärung unterzeichnet, wirklich als öffentliche Terrasse genutzt werden kann, ist aber noch einiges an Umbauarbeiten nötig.

    Und diese stehen nun langsam aber sicher an. Es ist von «Aufbruch» die Rede. Tatsächlich bringt die geplante Um- und Neugestaltung des Basler Kasernenareals ein stattliches Mass an Umwälzungen und Neuerungen mit sich, über die Vertreter des Präsidial- und des Bau- und Verkehrsdepartements gegenüber den Medien Auskunft gaben. Es ist ein Grossprojekt, an dem unter der Federführung der oben genannten Behörden nicht weniger als sechs von sieben Departementen beteiligt sind.

    Kasernenareal wird zur Grossbaustelle

    Die Eckwerte sind bekannt: Im vergangenen Dezember wurde das siegreiche Projekt des Wettbewerbs für die Neugestaltung des Kasernenhauptbaus vorgestellt. Der heute als Riegel gegen den Rhein dastehende Bau soll zum öffentlichen Raum werden, verschiedene Nutzungen aus den Bereichen Gastronomie, Kultur und Kreativwirtschaft beherbergen und vor allem durchlässig werden. Aber nicht nur im Hauptbau stehen bauliche Massnahmen an, sondern auch im oberen Rossstall, der von der Kaserne Basel und noch als Moschee genutzt wird, im Atelierhaus Klingental und beim Klingentalweglein.

    Sanierung und Umbau Hauptbau: Der grösste Brocken ist gewiss die Sanierung und der Umbau des Hauptbaus. Wie der stellvertretende Leiter des Hochbauamts, Thomas Fries, sagte, sind die ersten Projektierungsarbeiten mittlerweile aufgenommen worden. Im kommenden Jahr rechnen die Verantwortlichen damit, dass der Grosse Rat den Baukredit von rund 35 Millionen Franken bewilligen wird, so dass die konkreten Sanierungs- und Umbauarbeiten in den Jahren 2016 bis 2018 realisiert werden könnten.

    Sanierung Rossstall: Bevor mit dem Umbau des Hauptbaus begonnen wird, stehen ab 2015 Sanierungsarbeiten beim unteren Rossstalltrakt, der von der Kaserne Basel und als Moschee genutzt wird, an. Konkret geht es um die Sanierung des Dachs und der Fassade sowie um Massnahmen zur Einhaltung der Brandschutzvorschriften sowie der Gewährung der Erdbebensicherheit. Diese Massnahmen werden 3,5 Millionen Franken kosten. Wie der Dachstock künftig genutzt werden soll, ist noch nicht klar. Sicher aber ist laut Thomas Fries, dass die Sicherheitsvorschriften eine publikumsintensive Nutzung als Moschee nicht mehr erlauben werden. Es bleibt also dabei, dass die Moschee spätestens am 30. Juni 2015 ausziehen muss.

    Ausbau des Klingentalwegleins: Für den Ausbau des Klingentalwegleins von der Kasernenstrasse zu Rhein wurde bereits ein Projekt ausgearbeitet (das dem Ausstellungsraum Klingental Sorgen bereitet). Die Realisierung dieses Projekts hängt aber mit dem Umbau des Hauptbaus und mit dem seitlichen Durchstich zusammen, so dass der Baubeginn erst 2016 erfolgen wird. Die Kosten werden auf 1,5 Millionen Franken geschätzt und sind bereits bewilligt.

    Sanierung Klingentalkirche: Auch der Innenbereich der Klingentalkirche, die auch künftig als Atelierhaus genutzt wird, ist nach Angaben der Verantwortlichen sanierungsbedürftig. Thomas Fries nannte insbesondere die elektrischen Installationen. Dazu kommt unter anderem der Einbau neuer WC-Anlagen (die heutigen fallen zum grossen Teil dem seitlichen Durchstich zum Opfer). Ein konkretes Projekt für die Sanierungsmassnahmen liegt aber noch nicht vor.

    Nutzungen mit Zentrumscharakter

    Vorwiegend im Konjunktiv drückte sich der Leiter der Abteilung Kultur, Philipp Bischoff, aus, der über die zukünftigen Nutzungen im Hauptbau orientierte. Wirklich konkret äusserte er sich nur darüber, was es im Hauptbau künftig nicht geben wird: keine Proberäume für Musikgruppen und keine Künstlerateliers. Und auch an einen grösseren Veranstaltungsraum sei – entgegen ersten Skizzen im Wettbewerbsprojekt und obwohl eigentlich ein Bedürfnis danach bestehe – aus baulichen Gründen nicht zu denken. Die Einrichtung eines kleineren Projektraums steht aber nach wie vor zur Diskussion.

    Bischof betonte, dass konkrete Nutzungen erst zur Debatte stehen werden, wenn der Baukredit gesprochen ist. Im Grundsatz gehe man aber davon aus, dass neben den Bedürfnissen der heutigen Arealnutzer (möglicherweise Büros für die Kaserne Basel oder die Einbettung des Quartierzentrums) ausschliesslich Nutzungen berücksichtigt werden, die der zentralen und privilegierten Lage gerecht würden – also keine Ateliers, die auch weniger zentral gut untergebracht wären, sondern vielmehr Angebote mit Treffpunktcharakter.

    Einschränkungen während der Bauphase

    Auch was die Umgestaltung des Kasernenplatzes angeht, konnten die Verantwortlichen noch nicht viel Konkretes sagen. Man geht aber davon aus, dass die heutigen Aktivitäten, wie die Herbstmesse oder die verschiedenen Festivals, dort weiter ihren Platz haben werden. Während der Hauptumbauphase von 2016 bis 2018 werden die Arealnutzer laut Kessler aber mit Einschränkungen rechnen müssen.

  6. Streit um den Kasernenumbau kurz vor der Zielgerade neu entfacht
    4.4.2016, 04:50 Uhr

    Für die Bürgerlichen ist er zu teuer, für linke Kulturpolitiker ist das Nutzungskonzept unausgegoren: Während den Kommissionsberatungen zum Umbauprojekt des Kasernen-Hauptbaus flammten alte Streitigkeiten wieder auf. Von Dominique Spirgi und Renato Beck

    Carena Schlewitt, die Leiterin des Kulturzentrums Kaserne Basel, kann eine gewisse Desillusionierung nicht verbergen: «Ich glaube im Moment nicht richtig daran, dass die Umbauarbeiten des Kasernen-Hauptbaus im nächsten Jahr tatsächlich beginnen werden. Aber ich möchte betonen, dass ich bei allen berechtigten Fragen und Diskussionen den Start zum Umbau gerade nach dem langen Findungsprozess dieser Lösung, unter Berücksichtigung aller möglichen Kriterien und Umstände, für richtig und wichtig halte.»

    Nach dem Basel Tattoo im Sommer 2017, so steht es im Zeitplan des Kantons, sollen die Baumaschinen auffahren. Sollten sie auffahren, denn zuvor gibt es noch mehrere politische Hürden zu überwinden: Der Grosse Rat muss den Baukredit von 45 Millionen Franken bewilligen, gefolgt von der Einreichung des Baugesuchs, gegen das Einsprache erhoben werden könnte.

    Heftige Debatten in den Grossrats-Kommissionen

    Bevor der Grosse Rat über den Ratschlag der Regierung entscheiden kann, müssen die zuständigen Parlamentskommissionen über die Bücher. In diesem Fall sind es gleich zwei, denn neben dem Bau- steht auch ein Nutzungsprojekt zur Debatte. Namentlich handelt es sich um die Bau- und Raumplanungskommission und die Bildungs- und Kulturkommission. Und in beiden Kommissionen regt sich offenbar heftiger Widerstand gegen den Projektvorschlag der Regierung, wie die «Basler Zeitung» berichtete.

    Nachfragen der TagesWoche bestätigen diesen Eindruck. Bei den Befürwortern des Umbauprojekts, von den heutigen Arealnutzern, über die politische Mitte bis zur Linken, wachsen Befürchtungen, dass es zu einer unheiligen Allianz zwischen bürgerlichen Sparpolitikern und linken Exponenten aus dem Umfeld der Vereinigung «Kulturstadt Jetzt» kommen könnte.

    Das überrascht, wurde doch das in einem Wettbewerb auserkorene Umbauprojekt der Architekten Focketyn del Rio in der Öffentlichkeit mit spürbarem Wohlwollen aufgenommen.

    Zu teuer – zu unausgegoren

    Bürgerliche Grossräte stören sich in erster Linie an den Kosten, die von den ursprünglich ausgewiesenen 35 auf 45 Millionen angestiegen sind. «Ich hätte mir einen grösseren Wurf gewünscht. Für die Variante, die jetzt vorliegt, sind 45 Millionen Franken zu viel», sagt SVP-Grossrat Joël Thüring. Ins selbe Horn stösst auch FDP-Fraktionspräsident Andreas Zappalà: «Für die FDP-Fraktion ist der Kostenanstieg nicht plausibel», sagt er. Überdies befürchtet er, dass der Umbau höhere Subventionen an den Kulturbetrieb nach sich ziehen wird, da dieser die höheren Mietpreise kaum wird bezahlen können.

    Für Zappalà wirft aber auch der Bespielungsplan Fragen auf, die bislang nicht beantwortet wurden. Hier nimmt der FDP-Politiker die Kritik auf, die Kulturpolitiker aus dem linken Lager umtreibt. «Was die Nutzung betrifft, sind noch viel zuviele Fragen offen», sagt SP-Grossrätin Kerstin Wenk. Als Mitglied der Vereinigung «Kulturstadt Jetzt» war sie einst Mitinitiantin der Initiative für eine grosszügige Öffnung des Kasernenareals zum Rhein.

    «Kulturstadt Jetzt» hatte die Initiative nach der Zusicherung der Regierung, auf eine grosszügige Öffnung hinzuarbeiten, zurückgezogen. Gegen das Bauprojekt an und für sich hat Wenk nichts einzuwenden – wohl im Bewusstsein, dass die Verantwortlichen bei der Denkmalpflege keine weiteres Entgegenkommen hätten herausholen können.

    Es sind vor allem drei Fragen, die laut Wenk nicht befriedigend beantwortet sind: Wer entscheidet, wer im Hauptbau Platz finden wird? Wie wird die angestrebte Fluktuation der Nutzungen in einem Teil des Baus organisiert? Und wie werden die gestaffelten Mieten genau berechnet? «Wenn diese Fragen nicht geklärt werden, dann gehört das Projekt zur Überarbeitung zurück an den Absender», sagt Wenk.

    Mit dieser Position ecken die Grossräte aus dem Umfeld von «Kulturstadt Jetzt» auch bei ihren Genossinnen und Genossen an. Viele Politikerinnen und Politiker aus dem linken Lager wollen den Umbau jetzt ins Trockene bringen, sich aber in der TagesWoche nicht namentlich zum internen Clinch äussern.

    Dem Vernehmen nach ist die Stimmung besonders innerhalb der SP-Fraktion am Kochen. Sie hat diese Woche deshalb eine Aussprache zu diesem Thema anberaumt. «Mir ist bewusst, dass wir jetzt als böse Verhinderer dargestellt werden, aber wir müssen doch noch Fragen stellen dürfen», sagt Wenk. «Nach dem Debakel, das die Kantons- und Stadtentwicklung bei den Zwischennutzungen am Klybeckquai hinterlassen hat, ist unser Vertrauen in das Präsidialdepartement belastet.»

    Für Philipp Cueni, Präsident des Vereins Pro Kasernenareal, in dem die heutigen Arealnutzer vereinigt sind, käme eine Rückweisung des Projekts einem Debakel gleich. «Für die aktuellen Nutzer des Areals ist es entscheidend, dass auf dem Areal endlich ein Entwicklungsschritt eingeleitet wird», sagt Cueni. «Das ist auch deshalb dringend, weil sich der Hauptbau in einem desolaten Zustand befindet.»

    Cueni kann die Bedenken der Gegner nicht nachvollziehen. «Der Grosse Rat hat vor zwei Jahren die Leitplanken für das Projekt mit überwältigendem Mehr definiert, bei der Konkretisierung sind diese nun eingehalten worden», sagt er. Er befürchtet, dass eine Verzögerung des Prozesses zur Verslumung des Areals beitragen würde. «Ein Neuanfang des ganzen Prozesses wäre nicht nur ein Schildbürgerstreich, er würde kaum neue Ideen bringen, sondern den ganzen Entwicklungsprozess auf dem Areal um Jahre zurückwerfen», sagt er.

    Präsidialdepartement sucht den öffentlichen Diskurs

    Im Präsidialdepartement gibt man sich vorerst noch gelassen. Bis jetzt sind die Stimmen einzelner Politiker und von Interessenvertretern bekannt, die teilweise andere Vorstellungen der Nutzung oder des Umbaus anstreben», sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur. «Das ist bei einem solchen stadthistorisch beladenen Projekt völlig normal und also nicht überraschend.» Wichtig sei, dass jetzt der breite politische Meinungsbildungsprozess kritisch und offen geführt werde.

    Diese Diskussion möchte das Präsidialdepartement auch ausserhalb der politischen Entscheidungsinstanzen führen. Am Montag, 4. April, wird deshalb im Keck-Kiosk bei der Tramhaltestelle Kaserne eine kleine Ausstellung zum Projekt eröffnet. Der Titel der Projektpräsentation «Darüber reden – Ein Haus für alle. Und das Neue», besagt, dass Verantwortliche aus dem Präsidialdepartement und von Pro Kasernenareal in loser Folge auch vor Ort sein werden, um Auskünfte zu erteilen.

    Mehrkosten sind zu rechtfertigen

    Zur Sprache kommen werden sicher auch die von den Bürgerlichen kritisierten Mehrkosten. Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtplanung, sagt, dass sich der Anstieg der Kosten auf dem Papier durchaus rechtfertigen liesse: «Allein die Substanzsicherung kostet über 33 Millionen Franken, das alte Gebäude muss erdbebensicher gemacht, technisch auf den neusten Stand gebracht und behindertenfreundlich gestaltet werden», sagt er.

    Die Kosten für die zukünftige Nutzung selbst beziffern sich laut Kessler lediglich auf zirka 5 Millionen, seien also im Gesamten bescheiden und bewusst knapp gehalten. «Zudem sind die Kosten von 3,8 Millionen Franken für den Seitendurchbruch und die Aufwertung des Klingentalwegleins vom Grossen Rat bereits bewilligt worden – sie umfassen die politisch verlangte Öffnung zum Rhein.»

    Dazu kommen Mehrkosten von rund 3 Millionen Franken für Baustelleneinrichtung, Baulogistik und Schutzmassnahmen, damit das Basel Tattoo und die Herbstmesse auch während der Bauzeit auf dem Kasernenplatz stattfinden können.

    Verzögerung könnte zu Mehrkosten führen

    Ein Plan B für den Fall, dass das Bauprojekt tatsächlich zurückgewiesen würde, gibt es nicht. «Es wäre abzuklären, ob innerhalb des Siegerprojekts neu geplant und die kritischen Bereiche neu gestaltet werden müssten oder ob der ganze Prozess ab Feld 1 neu aufgerollt werden müsste», sagt Kessler. Gleichzeitig gibt er aber zu bedenken: «Es gäbe auf jeden Fall massive zeitliche Verzögerungen bei einem baulich relativ engen Gestaltungsrahmen, weil das vorliegende Projekt bereits die bisher maximal möglichen Zugeständnisse der Denkmalpflege und des Denkmalrates beinhaltet.»

    Kosten liessen sich laut Kessler dadurch kaum einsparen. «Das alte Hauptgebäude würde potentiell zum Symbol der Stagnation und in der Nutzungs-Entwicklung blockiert, die Unterhalts- und Sanierungskosten würden aber jährlich weiter zunehmen, und eine Zwischennutzung ist in diesem sanierungsbedürftigen Bau ausgeschlossen», sagt er. «Es wäre sogar denkbar, dass der Bau schliesslich mit mindestens so hohen Kosten einer anderen Nutzung zugeführt werden müsste – zum Beispiel wie bisher als Schulhaus, also ohne Öffnung und Verbindung zum Rhein und ohne breite kulturelle Ausstrahlung in die Stadt, zur Rheinpromenade und ins junge Kulturleben der Region.»
    _

    «Darüber reden – Ein Haus für alle. Und das Neue». Ausstellungsvernissage zum Umbauprojekt des Kasernen-Hauptbaus mit Ausführungen von Thomas Kessler (Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, Philippe Bischof (Leiter Abteilung Kultur) und Philipp Cueni (Präsident Verein Pro Kasernenareal). Montag, 4. April, 17.30 Uhr, Keck-Kiosk bei der Tramhaltestelle Kaserne.

    Chronik einer fast unendlichen Geschichte

    1863 übernahm die Basler Stadtgarnison den Kasernen-Neubau des Architekten Johann Jakob Stehlin-Burckhardt. 1874 wurde sie zum eidgenössischen Sanitätswaffenplatz.
    1966: Das Kasernenareal wird nach dem Auszug der Armee der Einwohner­gemeinde Basel übertragen.
    1967: Eine Initiative fordert die Gestaltung eines Parks mit unterirdischem Parking.
    1969: Der Hauptbau wird provisorisch als Schule genutzt – ein Provisorium, das mit wechselnden Belegungen bis heute andauert. Auf dem Platz entstand ein dreigeschossiges Provisorium für das Warenhaus Globus, das erst 1984 abgebrochen wurde.
    1972/73: Wettbewerb zur Gestaltung/Nutzung. Prämiert wird ein Projekt, das einen Stadtpark und ein unterirdisches Parkhaus vorsieht. Eine Petition fordert eine soziokulturelle Zwischennutzung.
    1974: Die IG Kasernenareal (heute: Pro Kasernenareal) wird gegründet.
    1980: Türkische Muslime richten eine Moschee ein. Die Kulturwerkstatt Kaserne (heute Kaserne Basel) entsteht.
    1987: Das Volk lehnt an der Urne das unterirdische Parkhaus ab.
    1988: Neuer Wettbewerb zur Gestaltung des Aussenraums. Es gewinnt das Projekt «Die Wiese zwingt den Rhein ins Knie», das einen Durchbruch zum Rhein vorsieht.
    1992: Das Sieger­projekt wird aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt. Das Areal wird mit Hartplatz und Wiese saniert.
    1999: Die Kaserne wird Teil des Aktions­programms Stadt­entwicklung. Die Neugestaltung wird wegen Geldmangels erneut hinaus­geschoben.
    2006: Das Bau- und Verkehrsdepar­tement erteilt Heller Enterpri­ses den Auftrag, eine Vorstudie für ein Nutzungskonzept für das Gesamtareal zu erstellen.
    2010: Die Regierung schlägt eine seitliche Öffnung des Platzes in Rheinnähe vor. Als Reaktion darauf lanciert das Komitee «Kultur­stadt Jetzt» die Initiative «Öffnung zum Rhein».
    2012: Der Grosse Rat bewilligt den Kredit für den seitlichen Durchstich.
    2012: Der Regierungs­rat legt seinen Rat­schlag «Ge­samtsanierung Kasernenhaupt­bau» vor.
    2013: Die Bau- und Raumplanungskommission des grossen Rates verlangt eine grosszügige Öffnung des Hauptbaus. Das Parlament folgt der Kommission, «Kulturstadt Jetzt» zieht ihre Initiative zurück.
    2013: Ein Projektwettbewerb wird ausgeschrieben. Es gewinnt der Vorschlag «Ein Haus für alle. Und das Neue» von Focketyn del Rio.
    2015: Die Regierung präsentiert den Ratschlag «Kasernenhauptbau – Gesamtsanierung und Umbau zum Kultur- und Kreativzentrum» mit einem Kreditbegehren von knapp 45 Millionen Franken.

  7. Wie offen darf das Nutzungskonzept des Kasernen-Hauptbaus sein?
    5.4.2016, 12:20 Uhr

    Flexible Vorwärtsstrategie auf der einen, Skepsis auf der anderen Seite: Bei der Präsentation des Umbauprojekts für den Kasernenhauptbau kamen die Promotoren aus dem Präsidialdepartement und die Kritiker aus dem Umkreis von «Kulturstadt Jetzt» ins Gespräch. Von Dominique Spirgi und Jonas Grieder

    Wer kommt rein? Wer bestimmt, wer im Kasernen-Hauptbau Platz finden wird? Und wie werden die gestaffelten Mieten berechnet? Das sind die Fragen, die die Politikerinnen und Politiker aus dem Umkreis der Vereinigung «Kulturstadt Jetzt» umtreiben. Und die an der Vernissage zur Präsentation des Umbauprojekts im Keck-Kiosk erneut gestellt wurden.

    Die Projekt-Mitverantwortlichen aus dem Präsidialdepartement konnten die Fragen nur zum Teil beantworten. «Wir haben bis auf wenige Ausnahmen, dazu gehört die Kaserne Basel, die Moscheekommission und der Fähriverein, nicht definiert, wer reinkommen wird», sagte Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur, vor den Vernissage-Gästen.

    Gastrobetriebe zur Querfinanzierung

    Was feststeht, ist ein Grundgerüst für die zukünftige Nutzung. Drei Gastrobetriebe sollen rund 600 der insgesamt 5500 Quadratmeter Fläche belegen. Dazu ist ein Shop und ein Ausstellungsraum angedacht, die zusammen mit den Gastrobetrieben über marktübliche Mieten zur Querfinanzierung der kulturellen und kreativwirtschaftlichen Nutzer beitragen sollen.

    Diese werden zusammen mit den öffentlichen Räumen, wie die Piazza oder den Veranstaltungssaal, einen Grossteil der neuen Räumlichkeiten belegen. Ein Grundprinzip bei der Bespielung ist laut Bischof das Rotationsprinzip. «Wir wollen nicht, dass sich Leute hier einnisten und nicht mehr gehen», sagte er. Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, drückte sich pointiert aus: «Wir wollen kein Museum des Jahres 2020.»

    Projekt ist umstritten

    Das Jahr 2020 ist in den Plänen des Kantons als Zeitpunkt für die Inbetriebnahme des neuen Kultur- und Kreativzentrums festgeschrieben. Dies würde aber bedingen, dass der Umbau im Sommer 2017 in Angriff genommen werden könnte. Und dafür müsste der Grosse Rat den nötigen Baukredit von knapp 45 Millionen Franken bewilligen.

    In den vorberatenden Kommission scheint das Projekt umstritten zu sein, obschon sich Mehrheiten für den regierungsrätlichen Ratschlag abzeichnen.

    Wie verbindlich kann Offenheit sein?

    Dass sich Sparpolitiker aus dem bürgerlichen Lager gegen das Projekt aussprechen, ist in Zeiten des langsam aufflammenden Wahlkampfs wenig verwunderlich. Skeptische Stimmen gibt es aber auch im politisch linken Lager. Insbesondere Grossräte aus dem Umfeld der Vereinigung «Kulturstadt Jetzt» erwarten verbindlichere Aussagen zum künftigen Nutzungskonzept.

    Und hier offenbart sich ein Dilemma in der Diskussion. Die Projektverantwortlichen aus der Verwaltung erachten die Offenheit als eines der Grundprinzipien des künftiges Nutzungskonzepts. «Ich verstehe, dass dies auf Skepsis stossen kann, wir sind darauf angewiesen, dass man uns vertraut», sagt Bischof. Auf der anderen Seite aber herrscht Misstrauen vor. «Das Dilemma um die Zwischennutzungen beim Hafen hat unser Vertrauen in das Präsidialdepartement stark gemindert», sagt Kerstin Wenk, SP-Grossrätin und Mitglied von «Kulturstadt Jetzt».

    Die Arealnutzer hoffen auf den rechtzeitigen Baubeginn

    Die heutigen Nutzer des Areals hoffen, dass es zu keiner Verzögerung mehr kommen wird. «Das gesamte Areal könnte durch die Belebung des Hauptbaus einen Quantensprung erleben», sagte Philipp Cueni, Präsident von Pro Kasernenareal. Und auch die Leiterin der Kaserne Basel, Carena Schlewitt, wies darauf hin, wie wichtig die Umnutzung für das gesamte Areal sei.

  8. Die Debatte um den Umbau der Kaserne kommt zu spät
    7.4.2016, 16:52 Uhr

    Seit Jahren wird am Umbau des Kasernenhauptbaus gearbeitet. Jetzt erst – auf der Zielgeraden – wird das bestehende Konzept öffentlich diskutiert. Das hätte früher geschehen müssen. Ein Kommentar von Karen N. Gerig

    Im Sommer 2017 soll der Umbau des Kasernenhauptbaus beginnen. Das weiss man seit sechs Jahren, seit die Regierung ihre Pläne zur Gesamtsanierung der Kaserne präsentiert hat. 2013 hat man sich für den Vorschlag des Architekturbüros Focketyn Del Rio entschieden, letztes Jahr wurde das Projekt inklusive Nutzungsplan fixfertig vorgestellt.

    Jetzt geht es darum, die letzten politischen Hürden zu überwinden: Der Baukredit in Höhe von 45 Millionen Franken muss genehmigt und das Baugesuch eingereicht werden. Und prompt wird Kritik laut, die alles wieder infrage stellt.

    Das überrascht nicht. Unbehagen in Bezug auf die Pläne der Regierung, namentlich des ausführenden Präsidialdepartements, nimmt man seit Jahren wahr. Und die Kritik, die sich hauptsächlich in offenen Fragen äussert, hat ihre Berechtigung.

    Denn in der Geschichte einer Neunutzung des Kasernenareals, die seit bald 30 Jahren die Basler Bevölkerung bewegt, ist das neueste Projekt mit all seinen schönen Ideen auch ein etwas fader Kompromiss. Von der ersehnten grosszügigen Öffnung des Areals zum Rhein hin ist ein seitlicher Durchstich geblieben, nachdem ein grosser frontaler Durchbruch von der Denkmalpflege verunmöglicht wurde. Auch das angedachte Nutzungskonzept gerät ins Kreuzfeuer.

    Es gibt keinen Plan B

    Kulturpolitiker von links bis rechts sind hin und her gerissen. Sowohl sparwütige Bürgerliche wie Exponenten der Linken sind unzufrieden mit der aktuellen Lösung und haben nun, da die Vorlage in den Kommissionen des Grossen Rates vorberaten wird, eine öffentliche Debatte losgetreten, die längst hätte geführt werden müssen.

    Doch es ist eine Debatte, die zu spät kommt. Denn ein Plan B existiert nicht. Wird das jetzige Projekt im Grossen Rat abgeschmettert, dann ist man zurück auf Feld eins. Dann ist die Öffnung und Umnutzung des Kasernenareals erneut in weite Ferne gerückt. Das will niemand – und genau deshalb müssen bestehende Fragen jetzt von Regierungspräsident Guy Morin und Kulturchef Philippe Bischof dringend beantwortet werden.

  9. Interview

    Kasernen-Umbau: «Man muss fähig sein, ein Kind auch mal loszulassen»
    10.4.2016, 04:55 Uhr

    «Ich weiss nicht, was wir mehr hätten tun können.» Der Basler Regierungspräsident Guy Morin nimmt Stellung zum Projekt des Kasernen-Umbaus. Von Dominique Spirgi

    Dominique Spirgi: «Es ist ungewöhnlich, dass ein Ratschlag des Regierungsrats, der in diesem Fall in zwei Grossratskommissionen behandelt wird, in der Öffentlichkeit so ausführlich diskutiert wird.».Der Basler Regierungspräsident Guy Morin zum Kasernen-Hauptbau-Projekt.

    Eigentlich sei es Sitte, dass sich der Regierungsrat in der Öffentlichkeit zurückhält, wenn ein Geschäft von den parlamentarischen Kommissionen beraten wird, sagt der Basler Regierungspräsident Guy Morin. Im Fall des Kasernen-Umbauprojekts drangen die unterschiedlichen Meinungen in der Bau- und Raumplanungskommission und der Bildungs- und Kulturkommission aber bereits im Vorfeld an die Öffentlichkleit, so dass auch Morin seine magistrale Zurückhaltung ablegt. Er wartet im Interview mit der TagesWoche nicht einmal die erste Frage ab:

    Ich möchte etwas Grundsätzliches vorausschicken: Es ist ungewöhnlich, dass ein Ratschlag des Regierungsrats, der in diesem Fall in zwei Grossratskommissionen behandelt wird, in der Öffentlichkeit so ausführlich diskutiert wird. Ungewöhnlich ist in diesem Fall, dass Aussagen und Inhalte aus den Kommissionsberatungen, die grundsätzlich geheim und vertraulich sind, an die Öffentlichkeit gelangten. Kommissionsberatungen sollten nicht unter einem politischen Druck stattfinden. Ich bedaure sehr, dass es soweit gekommen ist.

    Das deutet darauf hin, dass der Kasernen-Hauptbau die Gemüter offensichtlich auch innerhalb der Kommissionen stark bewegt. Wie erleben Sie das als einer der zuständigen Regierungsräte? Oder tangiert diese Frage die Geheimhaltung zu sehr?

    Es handelt sich in erster Linie mal um einen Bau-Ratschlag. Es geht um die 45 Millionen Franken für den Umbau des Hauptgebäudes der Kaserne. Hanspeter Wessels ist für den Bau und ich bin für die Nutzung zuständig.

    Die 45 Millionen sind den Bürgerlichen aber schon einmal zuviel Geld. Und dann ist der Kasernen-Hauptbau ja nicht einfach eine Hülle ohne Inhalt.

    Natürlich spielt die künftige Nutzung des Hauses eine wichtige Rolle. Dies schlägt sich nun auch in der politischen Diskussion stark nieder, weil diese Nutzung nicht so klar definiert ist und sein kann, wie dies bei einem Schulhaus- oder einen Verwaltungsbau möglich ist. Diese Offenheit ist aber eine bewusste Vorgabe. Seit man in meiner Erinnerung über die Kaserne diskutiert, lautet eine der immer wieder genannten Grundaussagen, dass man etwas entstehen lassen sollte (Anm. «Ent-stoh-Loo» lautete ein Wettbewerbsvorschlag zur Neunutzung des Kasernen-Areals in den 1970er-Jahren). Das heisst, dass die gemischte soziokulturelle Nutzung über die Zeit wachsen darf und soll. Wir schaffen mit diesem Gebäude in erster Linie ein Potential, und stellen Räume oder Raumtypologien für junge, kreative und soziale Ideen zur Verfügung.

    Räume für was denn?

    Erstens für Quartiernutzungen – sei dies nun für Quartierorganisationen, direkt für die Quartierbevölkerung oder als Veranstaltungs- und Versammlungsort. Zweitens für junge Künstlerinnen und Künstler, für Kulturschaffende als Atelierraum, als Co-Working-Space, also gemeinsam genutzten Arbeits- und Büroraum, als Produktions- oder Proberaum. Und drittens für gastronomische Nutzungen, um für die Nutzerinnen und Nutzer, aber vor allem für die Menschen von aussen einen Anziehungsort zu schaffen. Diese Nutzungen ermöglichen wir indem wir Räume zur Verfügung stellen die zusammen eine spannende Mischung ergeben. Wir können sagen, so und so viele Quadratmeter stehen für die einzelnen Nutzungen zur Verfügung: für die Gastronomie, für die Bevölkerung und für Kulturschaffende.

    Das Stichwort Offenheit wird im Grundsatz von allen geteilt, für Kulturpolitiker aus dem linken Lager geht sie aber zu weit, präsentiert sich das Ganze zu diffus. Also frage ich mal ganz konkret nach: Sie sprechen von jungen Kulturschaffenden. Schwebt Ihnen eine Altersgrenze der Nutzer vor?

    Nein, eine Alterslimite wird es ganz sicher nicht geben. Wenn ich «jung» sage, dann meine ich eigentlich nicht etabliert. Der Ort soll zur Innovation beitragen, neue Kulturformen und –produktionen ermöglichen in den Bereichen Kunst, Performing Arts, Kreativwirtschaft, Design, Literatur und mehr. Es soll nicht ein Ort für arrivierte Kulturschaffende, es soll ein Ort für Innovation werden. Das meine ich mit «jung».

    Was verstehen Sie unter nicht-arriviertem Kulturschaffen? Vieles, was auf dem Kasernenareal passiert, ist doch längst arriviert. Das Kulturzentrum Kaserne Basel etwa und das junge theater basel sind überaus etablierte Institutionen auf ihrem Gebiet.

    Die Angebote im Hauptbau sollen in den Bereichen Kultur und Kreativwirtschaft einen Mehrwert bringen, das bestehende Angebot ergänzen und erweitern. Wir spüren einen Nukleus von jungen oder neuen Kulturschaffenden, die sich in verschiedenen Off Spaces und Zwischennutzungsprojekten und speziellen Galerien in der Stadt mit hoher Qualität bemerkbar machen. Diese sollen im Hauptbau zusammenfinden können. Die Idee ist auch, dass an diesem neuen Ort ein Austausch zwischen Kulturschaffenden und –sparten stattfinden kann. Das kann man als Verwaltung oder als Politiker aber nicht erzwingen. Wir können Rahmenbedingungen schaffen, aber nicht garantieren, dass die Saat gleich aufgehen wird. Es soll gerade deswegen nicht ein Ort werden, in dem sich Leute wie etwa in der Roten Fabrik in Zürich für lange Zeit einnisten, und sich der Charakter kaum mehr ändern kann. Uns ist es wichtig, dass mittels befristeter Mietverträge eine Rotation stattfinden wird. Wir wollen zulassen, dass sich der Inhalt und die Atmosphäre immer wieder verändern können, dass der Hauptbau 2030 nicht dieselbe Ausstrahlung haben wird wie 2022, nach ein zwei Jahren Betrieb.

    Das Stichwort Rotation sorgt ebenfalls für Diskussionen. Vor allem die Frage, wer über die Belegung entscheiden wird. Wird das Top-down entschieden?

    Über diese Frage haben wir lange nachgedacht, und wir haben uns an verschiedenen Orten in der Schweiz und im Ausland verschiedene Modelle angeschaut. Es gäbe das Intendantenmodell wie im Volkshaus. Damit gibt man politisch das Ganze aber für viele Jahre aus der Hand, und riskiert damit, dass Versprechen, die zur Vergabe des Raums führten, vielleicht nicht eingehalten werden, oder unter Umständen aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllt werden können. Im Fall des Volkshauses erleben wir das zum Teil. Das wollen wir nicht. Dann gäbe es das Modell der Übertragung an eine Institution, wie zum Beispiel beim Gundeldinger Feld, das von der Quantensprung AG verwaltet wird. Auch hier würde man das Ganze aus den Händen geben. Im Fall des Kasernenhauptbaus wollen wir das nicht. Wir, das heisst die Politik und die Verwaltung, wollen garantieren können, dass sich die Nutzung des Hauptbaus eben auch verändern kann und dazu vielleicht auch Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.

    Wie soll das funktionieren? Wird der Kasernenhauptbau zum Staatsbetrieb?

    Nein. Es wird eine Vergabekommission mit neun bis elf Mitgliedern geben. Die Verwaltung wird dabei sehr im Hintergrund bleiben, nach unserer Planung wird sie maximal zwei Positionen besetzen und mit dem Leiter der Abteilung Kultur das Präsidium belegen. Die Kommissionsmehrheit wird aber aus Vertretern des Quartiers, des Areals, etwa von Pro Kasernenareal später dann auch aus dem Haus selbst, und Vertretern aus den so genannten Kulturszenen bestehen. Das können auch Vertreter von «Kulturstadt Jetzt» sein oder aus jungen Initiativen wie off spaces sein. Vielleicht braucht es auch zu Beginn externe Experten, die ähnliche Modelle bereits kennen. Die Rolle der Verwaltung wird sein, die politisch vorgegebenen Inhalte zu garantieren. Wir müssen auch das Versprechen einhalten, dass sich dieses Gebäude nicht zum Subventionsmoloch entwickeln wird, dass keine zusätzlichen Betriebsmittel und Subventionen nötig werden, sondern dass sich das Haus selber tragen wird.

    Sie sprechen hier einen weiteren umstrittenen Punkt an. Wie wird dieser Hauptbau finanziell funktionieren? Gibt es Modellrechnungen, wer wie viel Miete zahlen muss?

    Wir gehen von Betriebskosten von rund 950’000 Franken aus für den einfachen Unterhalt der Liegenschaft, die Nebenkosten und die beiden neuen Stellen, die wird schaffen werden: den Arealmanager, …

    … der aber nicht Intendant sein wird?

    Nein kein Intendant, ein Verwalter für das gesamte Areal. Und für den Facility Manager, eine Art Abwart für das Gebäude. Dieses Geld müssen wir erwirtschaften.

    Es werden also nur die laufenden Kosten massgebend sein für die Mieten?

    Ja. Der Betrieb des Gebäudes wird mit Ausnahme der Abschreibungen für die Investitionen und Landkosten kostenneutral sein. Wir berechnen nur die Betriebsmittel, daraus ergeben sich die Mieten. Das ergibt einen durchschnittlichen Mietzins von 170 Franken pro Quadratmeter. Klar ist, dass es hier eine finanzielle Spannweite geben wird, von 100 Franken am unteren Ende bis 330 Franken für ein kommerzielles Gastrounternehmen oder einen Shop. Wir haben dafür jeden Quadratmeter einer bestimmten Nutzungsart zugeordnet.

    Können Sie konkrete Beispiele nennen?

    Büroflächen oder Co-Working-Spaces werden zwischen 200 und 250 Franken pro Quadratmeter Miete kosten. Ein Grafiker, der in einem Co-Working-Space zirka 15 Quadratmeter Raum benötigt, wird eine Monatsmiete von rund 300 Franken zahlen müssen. Ein Probe- oder Produktionsraum wird günstiger zu haben sein: für 120 oder 150 Franken pro Quadratmeter, weil es eben Mieter geben wird, die für kommerzielle Nutzungen mehr zahlen werden: für die gastronomischen Angebote oder für den Shop oder die Galerie auf der Rheinseite. Wir sind überzeugt, dass das Ganze aufgehen wird, dass wir Preise anbieten, die sich junge Kulturschaffende werden leisten können.

    Ist etwas Wildes und Anarchisches denkbar im Hauptbau?

    Es wird sicher kein Zwischennutzungs-Raum sein, wie wir das von anderen Orten kennen. Eine gewisse Ordnung im Mietverhältnis wird sein müssen. Aber inhaltlich sind spezielle oder, wie Sie sagen auch wilde und anarchische Projekte nicht nur denkbar, sondern auch willkommen. Die Frage ist wahrscheinlich vielmehr, ob die Erfinder solcher Projekte in die Kaserne wollen.

    Sind also Befürchtungen unbegründet, der Kasernen-Hauptbau könnte sich zum edlen Schickimicki-Alternativkulturraum entwickeln, wie etwa das Löwenbräu-Areal in Zürich?

    Ich denke ja. Wir müssen keinen Gewinn erwirtschaften, wir sprechen nicht soviele kommerzielle oder subventionierte Nutzer an wie das Löwenbräu mit den grossen Galerien und Kunsthallen. Wir müssen nur die Betriebskosten hereinholen. Von Schickimicki kann also keine Rede sein, da auch der Ausbaustandard sehr schlicht sein wird.

    Aber es wird ein weiterer Leuchtturm für die Kulturstadt Basel?

    Wenn Sie unter Leuchtturm ein lebendiges und innovatives Quartier- und Kulturzentrum verstehen, dann unbedingt. Leuchtturm ist vielleicht nicht der richtige Begriff. Aber wenn es der Hauptbau schaffen wird, auf das ganze Areal, auf das Kleinbasel und auf die Stadt auszustrahlen, wenn er die Menschen von aussen anziehen wird, die sich zum Beispiel auch in den öffentlichen Räumen ohne Konsumzwang aufhalten werden, dann wird der Hauptbau auf die ganze Stadt und Region ausstrahlen.

    Das klingt im ersten Moment alles einleuchtend und stimmig. Warum meinen Sie, dass Politikerinnen und Politiker vor allem aus dem Umfeld von «Kulturstadt Jetzt» dennoch so skeptisch sind?

    Das ist schwierig zu beantworten. Ich beobachte, dass die Politik zunehmend Mühe hat mit offenen, flexiblen Konzepten, mit Regeln und Nutzungen, die nicht klar festgelegt sind. Politiker wollen Garantien und die Sicherheit, dass etwas genau so umgesetzt wird, wie sie das mit vorausbestimmt haben. Hier bräuchte es eine gewisse Risikobereitschaft. Aber so gross ist das Risiko nicht. Wir garantieren, dass der Bau keine weiteren Zusatzgelder nach sich ziehen wird. Und ich möchte darauf hinweisen, dass der Investitionsanteil in die spezifischen kulturellen Nutzungen nur gerade fünf Millionen Franken beträgt. 33 Millionen fliessen in die gebäudetechnischen Sanierungsmassnahmen, in die Erdbebenertüchtigung, in die baulichen Massnahmen für einen behindertengerechten Zugang und so weiter – Geld, das wir so oder so investieren müssten – ausser man reisst das ganze Gebäude ab, was aber aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist.

    Sie nennen jetzt nur die Kosten als Risikofaktoren.

    Die werden ja auch kritisiert, namentlich der Kostenanstieg. In den 45 Millionen enthalten sind auch die 3,8 Millionen Franken für den seitlichen Durchbruch – Gelder, die der Grosse Rat eigentlich bereits bewilligt hat, die nun aber in das Gesamtprojekt übertragen werden. Dazu kommen noch 3 Millionen Franken Sonderkosten, damit der Betrieb der Herbstmesse und des Basel Tattoo während der Bauzeit weiter möglich sein wird. Unter dem Strich sind es also nur 5 Millionen Franken für das – in Anführungsstrichen – Experiment des kulturellen und sozialen Zentrums. Im Vergleich zu den vergangenen oder aktuellen Investitionen in die etablierte Kultur ist das bescheiden.

    Böse Zungen behaupten, dass sich die Regierung mit den drei Millionen Franken für den Betrieb von Basel Tattoo und die Herbstmesse den Goodwill von Tattoo-Gründer Erik Julliard erkauft, der es ja versteht, sich mit Händen und Füssen für sein Projekt einzusetzen.

    Was heisst erkauft? Natürlich hat dies mit gewissen strategischen Überlegungen zu tun. Das Basel Tattoo findet jetzt zum zehnten Mal statt, hat seine wichtige Stellung im Basler Veranstaltungskalender, lockt viele Menschen an. Wir zahlen ja nur die Mehrkosten, um den Platz freizuräumen, damit das Basel Tattoo und die Herbstmesse während der Bauzeit stattfinden können. An die Mehrkosten, die für die Tattoo- Veranstalter selber entstehen werden, zahlen wir nichts.

    Zurück zum Risiko: Die Kritik von «Kulturstadt Jetzt» bezieht sich ja nicht auf das finanzielle Risiko, sondern darauf, dass die Nutzung nicht genügend definiert ist. Das Vertrauen in das Präsidialdepartement scheint gering zu sein, nicht zuletzt wegen des unglücklichen Vorgehens bei der Vergabe der Zwischennutzungsprojekte beim Hafen, wie es von dieser Seite aus heisst.

    Was heisst unglückliches Vorgehen? Das Hafenareal war ein Ort, wo viele verschiedene Interessen miteinander kollidierten, das führte zu Konflikten. Einer wollte provisorische Fussballplätze für drei Millionen Franken hinstellen, andere wollten alles brach lassen, damit irgendwie etwas entstehen kann. Dann kamen die Besetzer des Wagenplatzes und die Fahrenden. Wir haben einen Teil des Areals dann an Shift Mode abgetreten. Was jetzt dort passiert, ist doch schon recht attraktiv, aber es braucht auch Zeit. Es wird noch attraktiver werden, davon bin ich überzeugt. Die Vorwürfe an unsere Adresse sind kaltschnäuzig. Aber das ist eine andere Geschichte. Parallelen zum Hauptbau zeigen sich vielleicht darin, dass die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, sehr klein ist.

    Und das Misstrauen offensichtlich gross ist.

    Ich habe ja auch ein gewisses Verständnis dafür. Die Menschen, die sich bei «Kulturstadt Jetzt» engagieren, setzen sich seit Jahren vehement für die Entwicklung des Kasernenareals ein, haben Ideen eingebracht, Initiativen lanciert und zurückgezogen. Jetzt kommt ein baulicher Kompromiss – mehr bauliche Öffnung ist wegen des Denkmalschutzes nicht möglich. Jetzt müssen diese Menschen loslassen können, loslassen von den eigenen Vorstellungen. Ich habe ihnen garantiert, dass sie im Vergabeprozess beteiligt sein können, wenn sie dies möchten. Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger dieses Versprechen einhalten wird. Aber es ist ebenso klar: Das Projekt hat den Rahmen, dass die 950’000 Franken erwirtschaftet werden müssen.

    Wie gehen Sie persönlich mit der Kritik um? Sie haben sich sehr für den Umbau des Hauptbaus eingesetzt, die Verwirklichung wäre quasi ein schöner Abschluss ihrer Amtszeit. Frustriert Sie der Widerstand von Links und Rechts?

    Ich gebe zu, dass es nicht immer einfach ist, damit umzugehen. Ich habe «Kulturstadt Jetzt», habe Tino Krattiger zu Gesprächen eingeladen, das Projekt noch einmal präsentiert und Fragen beantwortet, obwohl sich die Regierung während den Kommissionsberatungen eigentlich aus der öffentlichen Diskussion raushalten sollte. Und es gab während des Planungsprozesses drei Mitwirkungsveranstaltungen oder Workshops, zu denen sehr viele Kulturvertreterinnen und –vertreter eingeladen waren. Wir haben dabei Bedarfsfragen abgeklärt, Nutzungsziele diskutiert, haben alles protokolliert. Ich weiss nicht, was wir mehr hätten tun können. Ich denke, dass hier viele Emotionen im Spiel sind. Man muss fähig sein, ein Kind auch mal loszulassen und selbständig werden zu lassen. Das wird auch mir nicht einfach fallen, wenn ich nicht mehr im Amt sein werde.

    Wie zuversichtlich sind Sie, dass das Projekt in den Kommissionen und Im Grossen Rat eine Mehrheit finden wird?

    Ich glaube noch immer daran, dass es gut kommen wird. Ich bin überzeugt, dass es ein sehr sinnvolles und gutes Projekt ist. Mit einer Rückweisung wird sich kein besseres Projekt erzielen lassen. Eine grössere Öffnung ist illusorisch, da wäre wohl vom Denkmalschutz kein Entgegenkommen zu erwarten. Ich bin fest überzeugt: Wir müssen den Start wagen, denn das ganze ist eine enorme Chance für Basel. Der Nutzungsdruck auf das Gebäude ist immens. Wenn dieses Projekt zurückgewiesen wird, dann laufen wir Gefahr, dass es zum Schulhaus wird. Und das wird deutlich mehr kosten als 45 Millionen Franken.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.